Hilfsschule

Die Hilfsschule im Nationalsozialismus

von Kirsten Knaack

Exkurs 1: Die Gleichschaltung im schulischen Bereich ab 1933 in Hamburg

Unmittelbar nach dem Amtsantritt Karl Witts als Schulsenator 1933 begann die Gleichschaltung der Schulräte mit der Entlassung derjenigen, die Mitglieder der SPD oder DDP waren. Legitimiert wurden diese Aktionen durch das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 07. April 1933.[60] Im Volksschulbereich, dem die Hilfsschulen angeschlossen waren, wurden Wilhelm Schulz (NSDAP), Dietrich Ossenbrügge (DNVP) sowie kurze Zeit später Albert Mansfeld (NSDAP)[61] und Wilhelm Lühning (NSDAP) zu Schulräten ernannt (vgl. de Lorent 1992, S. 134).
Gleichzeitig begann die Denunziation von LehrerInnen, die dem nationalsozialistischen Staat nicht wohlgesonnen waren; Schulleiterposten wurden an NSDAP- Parteigenossen vergeben[62]. Von 1933- 1935 wurden insgesamt 637 LehrerInnen entlassen[63]. Dies betraf ebenfalls hauptsächlich jene, die sich in den Parteien engagiert hatten, die die NSDAP als politisch missliebig einstufte (KPD, SPD, DDP) (vgl. ebd., S. 143) oder JüdInnen waren; ebenso nicht festangestellte verheiratete Lehrerinnen.
Das „Gesetz über den Neuaufbau des Reiches“ vom 30. Januar 1934 entzog den Ländern des Deutschen Reiches die Zuständigkeit über das Unterichtswesen. Am 01. Mai 1934 wurde das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung undVolksbildung (REM) eingerichtet, von dem reichseinheitlich schulpolitische Maßnahmen beschlossen werden sollten. Reichsminister wurde der in der Weimarer Republik unehrenhaft aus dem Schuldienst entlassene Lehrer Bernhard Rust[64].
Das Führerprinzip wurde auch in der Schulorganisation eingeführt; die Behörde gab im folgenden Erlasse, Verfügungen, Bekanntmachungen, Anweisungen heraus, an die sich zu halten war.
An den Schulen hielt militärischer Drill zunehmend Einzug; das relativ vielfältig pädagogische Leben an Hamburgs Schulen verschwand (vgl. de Lorent 1992, S. 144 ff.).
Zudem nahm die Bespitzelung der verbliebenen LehrerInnenschaft sowie ständiges Drängen, in die NSDAP und/ oder den Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) einzutreten, kein Ende; trotzdem wurden nie alle kommunistischen LehrerInnen entlassen.
Der NSLB war nach dem 08./ 09. April 1933 der einzige deutsche Lehrerverband. Vorsitzender wurde dessen Gründer, Hans Schemm[65]. Nach seinem Tode 1935 übernahm Fritz Wächtler die Führung der Organisation.

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[60] Danach konnten alle Beamten entlassen werden, die nicht über „die nötige Qualifikation“ verfügten, Nicht- ‚Arier‘ oder politisch missliebig waren.

[61] Mansfeld war ebenfalls stellvertretender Gauamtsleiter des NSLB Hamburg sowie für die ‚1. Abteilung Organisation‘ zuständig. Die Gaufachgruppe Hilfsschulen leitete Pg. Erwin Kludas.

[62] So wurden bis zum Schuljahr 1935/36 in Hamburg 55% der 1932/33 amtierenden Schulleiter ersetzt (vgl. de Lorent 1992, S. 141). Bis 1938/39 wurden im Volksschulbereich noch einmal 41 Schulleiter und 43 Stellvertreter ausgetauscht (vgl. ebd., S. 142).

[63] Zur Unterstützung der Entlassenen übernahmen noch beschäftigte KollegInnen teilweise Patenschaften oder führten Geldsammlungen durch. Einige LehrerInnen sind aufgrund dieser Tätigkeit schließlich ebenfalls entlassen worden (vgl. Meyer in: Hochmuth et al., S. 20).

[64] Rust galt als „entscheidungsschwach und unfähig“ (Kock, S. 40) und wurde in seiner Autorität kontinuierlich von Heß, Goebbels und Bormann untergraben. Schulpolitische Entscheidungen wurden ab 1941 meistens direkt in der Parteikanzlei oder im Führerhauptquartier getroffen (vgl. ebd.).

[65] Der ehemalige Volksschullehrer Schemm war in der Weimarer Republik wegen ‚sittlicher Verfehlungen‘ aus dem Schuldienst entlassen worden.

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