Hilfsschule

Die Hilfsschule im Nationalsozialismus

von Kirsten Knaack

3.2. Bergedorf

1918 wurde im Zuge der Novemberrevolution in Bergedorf ein Arbeiter- und Soldatenrat gegründet. Bis 1920, dem Jahr des Kapp- Putsches, blieb es politisch in Bergedorf ruhig. Der Kapp- Putsch hatte insofern Auswirkungen auf Bergedorf, daß Teile eines aus dem Baltikum zurückkehrenden Bataillons, das mit den Putschisten sympathisierte, bei Geesthacht die Elbe überschritten und sich 15 Putschisten mit 6 Maschinengewehren in Bergedorf und Wohltorf verschanzten. Die sozialdemokratisch orientierte „Einwohnerwehr Bergedorf“ trat ihnen jedoch erfolgreich ohne Blutvergießen entgegen.
Im Juni 1920 kam es zu ‚Teuerungsunruhen‘ mit Arbeitsniederlegungen und Plünderungen aufgrund der unzureichenden Versorgung von Betrieben und Bevölkerung sowie steigender Inflation. Am 27. Juni 1920 wurde über Bergedorf daher der Ausnahmezustand verhängt.
Am 23. März 1921 versuchte die Hamburger KPD parallel mit dem bewaffneten kommunistischen Aufstand in Mitteldeutschland, im Rahmen ihrer ‚Märzaktion‘ einen Generalstreik und Unruhen herbeizuführen, um eine Räterepublik zu errichten. Am Abend des gleichen Tages brach der Aufstand mangels Unterstützung und wegen des Einsatzes von Waffen seitens der Polizei zusammen. Über Bergedorf wurde an jenem Tag wieder der Ausnahmezustand verhängt.
Am 23. Oktober 1923 begannen die Hamburger KommunistInnen erneut einen Aufstand, in dem sie mehrere Polizeiwachen erstürmten, um sich der dortigen Waffen zu bemächtigen. In Bergedorf versammelten sich einen Tag später eine große Anzahl KommunistInnen, um die sich im Bergedorfer Schloss befindliche Polizeiwache zu stürmen. Ebenso fanden Streiks und Werksbesetzungen statt.
Nachdem die Menge zwei Waffengeschäfte geplündert hatte und nur 23 Polizisten den DemonstrantInnen gegenüber standen, mußte die Polizei Verstärkung aus Hamburg anfordern, die am Nachmittag des gleichen Tages mit etlichen Schüssen den Aufstand beendete.
Nach diesem gescheiterten Aufstandsversuch unternahm die KPD zunächst keine weiteren Bestrebungen dieser Art.
Die Faschisten beschränkten ihre militante politische Tätigkeit auf einige Anschläge[52].
Bis 1924 kam es dann in Bergedorf nur zu wenigen politischen Auseinandersetzungen. Hauptsächlich fanden kleinere Kämpfe zwischen KommunistInnen und der Polizei statt.
Bei den Wahlen 1918 zeigte sich in Bergedorf folgendes Ergebnis: Die SPD, DDP, DVP und das Zentrum erhielten fast 75% der Stimmen; konträr gegenüber Hamburg (64%) oder gar dem Reichsgebiet (56%).
Ab 1930 gerieten KommunistInnen, Nationalsozialisten[53] sowie Mitglieder des Reichsbanner desöfteren aneinander. Ab diesem Jahr begannen auch die Nationalsozialisten ihr Auftreten zu verschärfen. Am 17. August fand ein 100 Personen starker Umzug statt. Bei der Reichstagswahl vom 15. September erhielt die NSDAP 2 300 Stimmen in Bergedorf, bei der Bergedorfer Bürgervertreterwahl am 19. Oktober über 2 400 Stimmen. Damit war die NSDAP die drittstärkste Partei und stellte fünf Bürgerverteter und einen Ratsmann, Albrecht Dreves. Dieser sollte 1933 der erste Bürgermeister der NSDAP in Begedorf werden.
1931 fanden etliche Kämpfe zwischen NSDAP- Anhängern und KommunistInnen statt. In Geesthacht, das zu diesem Zeitpunkt noch zur Landherrenschaft Bergedorf gehörte und Hochburg der KPD war, kam es am 26. Januar zu schweren Zusammenstößen zwischen Nazis, KommunistInnen und der Polizei; in diesem Zusammenhang starb ein KPD- Mann, eine unbekannte Anzahl KPD- Anhänger wurde verletzt, ebenso 7 Polizisten.
Am 14. März 1931 wurde der Bergedorfer KPD- Vorsitzende Ernst Henning von drei SA- Männern erschossen.
1932 organisierte die ‚Rote Gewerkschaftsorganisation‘ der KPD mehrere Streiks, die die Polizei beendete. KPD- und NSDAP- Anhänger bekämpften sich mit zunehmender Brutalität. Auch das ‚Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold‘, eine staatsloyale Organisation, lieferte sich Kämpfe mit Faschisten.
Nach der Aufhebung des SA- Verbotes vom 10. Juni 1932 taten sich SA wie SS besonders gewalttätig hervor. So warfen sie z.B. Fensterscheiben von Wohnungen ein, in denen ihnen das Auffüllen ihrer Feldflaschen verweigert wurde oder suchten gezielt Auseinandersetzungen mit der Polizei oder sogar mit anderen rechten Gruppierungen wie dem Stahlhelm.
Gleichzeitig stieg der Zuspruch der Bevölkerung zur NSDAP, was sich in den Wahlen niederschlug: Bei der Bürgerschaftswahl 1931 erhielt die NSDAP in Bergedorf knapp 4 000 Stimmen, bei der Bürgerschaftswahl 1932 fast 4 500. Im Ergebnis der Reichstagswahl vom Juli 1932 übertrumpften die Faschisten die SPD in Bergedorf erstmals in der Anzahl der Wählerstimmen: NSDAP 4 718, SPD 4 528. Bei der Reichstagswahl im November 1932 wurde die SPD jedoch wieder stärkste Kraft.
Als nach der Machtübertragung an die NSDAP Anfang März 1933 die sozialdemokratischen Senatoren in Hamburg sowie Bürgermeister Carl Petersen zurücktraten, setzte NS- Innenminster Wilhelm Frick den Hamburger SA- Führer Alfred Richter als Polizeichef ein. In Bergedorf besetzten Hamburger Polizeioffiziersschüler das Bergedorfer Schloss unter Führung eines Hauptwachtmeisters. Die sozialdemokratischen Polizeiführer wurden verhaftet, die Bergedorfer SA besetzte das Schloss. Beides wurde auf Hamburger Anweisung jedoch kurze Zeit später wieder aufgehoben. Daraufhin setzte die SA, begleitet von der Polizei, am Rathaus Hakenkreuz- und Schwarz- weiß- rote Fahne, später an der Sparkasse, der Badeanstalt und der Feuerwehrwache, dann am Bergedorfer Schloss.
Nachdem am 08. März 1933 ein nationalsozialistischer Senat in Hamburg zur Macht gelangte, fand dies in Bergedorf erst 20 Tage später statt, indem Bürgermeister Friedrich Frank seinen Rücktritt einreichte[54] und der Hamburger Senat den Ratmann Albrecht Dreves als kommissarischen Bürgermeister einsetzte. Am 30. März folgte Nettelnburg, am 04. Juli Geesthacht.

Nebenkostenabrechnung Base Billigstrom

[51] Vgl. zum gesamten Abschnitt Markus Denkhaus: Der Kampf der Republikgegner in Bergedorf gegen die Werte der Weimarer Republik, in: Kultur- und Geschichtskontor, S. 11-27).

[52] Eine genauere Beschreibung dieser ‚Anschläge‘ findet bei Denkhaus nicht statt.

[53] Der männliche Plural ist bewusst gewählt, da aufgrund der nationalsozialistischen Ideologie wohl kaum Frauen an Unruhen aktiv teilgenommen haben dürften.

[54] Dem Rücktritt gingen Drohungen seitens der NSDAP zuvor.
Lastminute Urlaub - Webkatalog - Reiseführer Mallorca - Links eintragen

Inhalt

Webkataloge